Nein zur Schließung der Krankenhäuser im Essener Norden!

Wir haben den Beschäftigten der von den geplanten Schließungen betroffenen Krankenhäusern solidarische Grüße überbracht

Die Schließung der Krankenhäuser im Essener Norden sind unverantwortlich! Es darf nicht noch weiter bei der Gesundheitsversorgung gespart werden. Dies geht zur Lasten der Beschäftigten und der Bürger*innen!

Deshalb fordern wir, weder Privatisierungen noch Schließung und den Erhalt der Krankenhäuser und aller Arbeitsplätze!

Unsere Rede auf der Kundgebung bei Galeria Kaufhof

Freitagmorgen waren einige von uns auf der vom ver.di Bezirk Ruhr-West organisierten Solikundgebung für die Beschäftigten der Galeria Kaufhof Filiale am Willy-Brandt-Platz, deren Standort geschlossen wird.
Neben den Beschäftigten kamen auch Vertreter*innen anderer Betriebe zu Wort, unter anderem Alexandra Willer, Personalrätin und Vertrauensfrau an der Uniklinik, deren Rede wir hier dokumentieren

Rede auf der heutigen Black Lives Matter Kundgebung

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

nach den Geschehnissen und Entwicklungen rund um unsere Soli-Aktion vor dem UKE zur BLM-Bewegung, haben wir uns intensiv mit der Bezirksgeschäftsführung Ruhr-West und der Bezirksvorsitzenden Caro Fieback ausgetauscht und das Geschehene aufgearbeitet. Um euch die Möglichkeit zu geben, die Situation einzuordnen, stellen wir euch neben einer schriftlichen Einordnung auch den Originaltext der Rede und eine Videoaufzeichnung zur Verfügung:

Wir sind heute hier um George Floyd zu gedenken, der am 25. Mai von der Polizei grausam ermordet worden ist und um seiner Familie und Freunden unseren Beistand auszudrücken. Diese brutale Tat reiht sich ein in eine lange Reihe von rassistischen Morden der Polizei in den USA.

Hunderttausende gehen seitdem mit Massenprotesten auf die Straße. Ihre aufgestaute Wut und Trauer bricht sich Bahn. US Präsident Trump lässt von der Nationalgarde das Feuer auf die Demonstranten eröffnen und will sogar die Armee einsetzen. Das gewaltsame Bekämpfen von berechtigten Protesten hat in den USA, der selbsternannten „ältesten Demokratie der Welt“, Tradition. Wir denken an die staatliche Verfolgung von Gewerkschaftern in den 1920er und 1930er Jahren und an die Bekämpfung der Bürgerrechts- und Black Power-Bewegung. Wir aber erklären uns solidarisch mit den Protestierenden und ihren Anliegen in den USA.

Der Mörder, Derek Chauvin, ist ein Rassist mit einer langen Liste an Tötungen und schweren Körperverletzungen im Dienst. Dieser Sachverhalt hinderte die US-Polizei nicht daran, ihn mehrfach für seine Arbeit auszuzeichnen. Erst der Druck auf der Straße sorgte dafür, dass es endlich zu seiner Entlassung und einer Anklage kommt – wenn auch nur in diesem einen Fall. Ob Chauvin auch verurteilt wird, steht noch auf einem anderen Blatt.

Die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung hat in den USA eine lange Geschichte. Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist eine Geschichte des Völkermordes und der Sklaverei – eine Geschichte, die von strukturellem Rassismus geprägt ist – bis heute. Der Kapitalismus in den USA ist gebaut aus der brutalen Ausbeutung ehemaliger Sklaven und den Folgen der Rassentrennung. Die gesetzliche Apartheid wurde 1964, nach einem langen Kampf, abgeschafft. Trotzdem ist noch heute vor allem die schwarze Bevölkerung von Armut betroffen. Es gibt also zwar eine formal rechtliche, aber keine reale ökonomische und soziale Gleichstellung. Sie haben die schlechtesten Jobs und Löhne, leben in den ärmsten Vierteln, haben die schlechtesten Schulen, die schlechteste Gesundheitsversorgung. Und in Krisenzeiten sind Schwarze die Hauptopfer von Entlassungen, sind in riesigem Ausmaß von Arbeitslosigkeit betroffen.

Die aktuelle Protestbewegung wird auch von der brutalen Verschlechterung der Lebensbedingungen der Arbeitenden in den USA genährt. George Floyd lebte von kleinen Jobs. Er war LKW-Fahrer, dann Security in einem Restaurant. Seit den Corona-Ausgangsbeschränkungen hatte er keine Arbeit mehr. Diese Armut erleben Millionen Menschen in diesem reichsten Land der Welt. 40 Millionen Amerikaner wurden gerade in die Arbeitslosigkeit gestürzt und können weder ihre Miete noch ihre Kredite bezahlen. Sie stehen bei der Armenspeisung Schlange. Durch die Corona-Krise haben sich die Angriffe, die die Reichen auf die Armen richten, gefährlich beschleunigt.

Der Mord an George Floyd ist nicht nur ein einmaliger Gewaltakt, und nicht nur in einer Stadt. Es ist das System – und das ist kaputt. Und es ist zu hoffen, dass der Aufstand Wege findet, dieses kapitalistische System anzugreifen.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

auch in Deutschland kommt es immer wieder zu rassistisch motivierter Polizeigewalt, die auch Menschenleben fordert. 2005 etwa verbrannte Oury Jalloh in einer deutschen Gefängniszelle. Immer wieder kommt es vor, dass auch deutsche Beamte Menschen erschießen, meist handelt es sich dann um Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund. Solche „Vorfälle“ werden so gut wie nie aufgeklärt bzw. die Täter nicht belangt. Selbst die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sagt, dass rassistische Polizeimaßnahmen in Deutschland verbreitet sind. Auch Polizeikontrollen aufgrund ethnischer Herkunft seien „definitiv auch in Deutschland ein Problem“. Und wir hören seit Jahren regelmäßig von neuen Nazistrukturen, die in der Polizei oder auch der Bundeswehr aufgedeckt werden, wie Uniter, Nordkreuz oder dem selbsternannten NSU 2.0.


Auch hier ist Rassismus ein Problem, welches das Leben und Wohl unserer Mitmenschen – unserer Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn – bedroht. Den Kampf gegen ökonomische Ausbeutung und rassistische Unterdrückung können wir nur gemeinsam führen. Die fast immer schlechteren Jobs und die schlechtere Bezahlung, die viele Migranten hier in Deutschland erleben, ist – so wie überall auf der Welt – Grundvoraussetzung für die Profite der Reichen. Sie spalten uns in schwarz und weiß, Einheimische und Ausländer, alt und jung, Frauen und Männer usw. – und nutzen diese Spaltungen aus, um mehr an uns zu verdienen.

Wir als Gewerkschafter sehen uns in der Verantwortung, Kämpfe dagegen zusammenzuführen. Das heißt für uns ganz konkret, uns nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen, uns als arbeitende Menschen zusammenzuschließen, Widerstand zu leisten und uns gegenseitig beizustehen. Erst wenn wir echte ökonomische und soziale Sicherheit für alle haben, können wir den Rassismus endgültig überwinden. Die Wurzel des Rassismus liegt im System der Ungleichheit und Konkurrenz. Solange wir dieses nicht angehen, bleibt auch der Boden für Rassismus bestehen.

Die momentane Protestwelle in den USA, an der sich sowohl Schwarze wie Weiße in großer Zahl beteiligen, ist ein wichtiger Beitrag zu diesem Kampf. Er verdient alle unsere Solidarität und Unterstützung. Deswegen stehen wir heute hier: Zusammen mit den Zehntausenden, die in den letzten Tagen in Deutschland hierfür auf die Straße gegangen sind – und hoffentlich auch in den nächsten Wochen weiter gehen werden.

 

#BlackLivesMatter – Solidaritätskundgebung am Klinikum

Der Mord an dem Afroamerikaner George Floyd empört Menschen weltweit. Ermordet durch einen rassistischen US-Polizisten, indem er ihn in 9 Minuten in aller Öffentlichkeit erdrosselte. Rassistisch motivierte Polizeigewalt ist in den USA trauriger Alltag. Allein 2019 starben in den USA allein laut offiziellen Zahlen mehr als 1000 Menschen durch Polizeigewalt. Die Wahrscheinlichkeit, durch einen Polizisten getötet zu werden, ist deutlich höher, wenn du schwarz bist.

Der Mord an George Floyd hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Unter dem Hashtack „I can´t breathe“ und “BlackLivesMatter“ demonstrieren in den USA hunderttausende Menschen gegen Polizeigewalt, Rassismus, wachsende Verelendung und die menschenverachtende Politik der Regierung, allen voran ihres Präsidenten Donald Trump. Offen droht dieser nun, mit Hilfe des US-Militärs gegen die Proteste vorzugehen. Das erfordert unsere Solidarität mit den Demonstrierenden in den USA!

Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist eine Geschichte des Völkermordes und der Sklaverei – eine Geschichte, die von strukturellem Rassismus geprägt ist – bis heute. Der Kapitalismus in den USA ist gebaut aus der brutalen Ausbeutung ehemaliger Sklaven und den Folgen der Rassentrennung. Bis heute sind es Schwarze, die die härtesten Arbeiten machen müssen, die niedrigsten Löhne bekommen, die schlechteste Gesundheitsversorgung haben und in den ärmsten Vierteln und Wohnungen leben müssen. Auch vom Coronavirus und der explodierenden Arbeitslosigkeit sind Schwarze am härtesten betroffen. In gewisser Weise leiden aber auch Weiße unter dem Rassismus, da die Herrschaft der Reichen und Mächtigen sich auch auf die Spaltung zwischen armen Weißen und armen Schwarzen stützt. Es ist daher ein wichtiges und hoffnungsvolles Zeichen, dass sich derzeit auch viele Weiße in den USA an den Protesten beteiligen.

Gerade in einem Betrieb, in dem tausende Kolleginnen und Kollegen der verschiedensten Herkunft und Hautfarbe zusammenarbeiten, wollen wir deshalb ein Zeichen setzen:

ein Zeichen unserer Solidarität mit Demonstrierenden in den USA
und ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt bei uns und weltweit.

Fotos von der Kundgebung findet ihr hier.

Schluss mit Ausreden

Schluss mit Ausreden!
Beschäftigte des Gesundheits- und Sozialwesens treffen in einer virtuellen Townhall auf Politik und Arbeitgeber. Für uns hat Berna Kocak an der Videokonferenz teilgenommen und die Situation im Reinigungsdienst dargestellt

Applaus – und dann? – Mitreden: Offene Videokonferenz am 19. Mai zur Frage, was kommt nach dem Applaus an der Uniklinik Essen?

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

Corona bestimmt weiterhin unser Leben. Vieles, was befürchtet wurde, ist in Folge frühzeitiger, umfassender Maßnahmen nicht eingetreten. Nun heißt es gerne: Das Gesundheitswesen in Deutschland ist so hervorragend, dass es Bilder wie aus Italien und Spanien oder New York nicht geben konnte. Gut, dass die zahllosen geplanten Schließungen von Kliniken – wie von der Bertelsmannstiftung vorgeschlagen und von Regierenden geplant – noch nicht vollzogen wurde! Wir hatten den Vorteil, auf die Erfahrungen in anderen Ländern zurückgreifen zu können und ausreichend Zeit zu haben, um eine Katastrophe zu verhindern: ohne massive Einschränkungen im Lebens- und Arbeitsalltag und ohne die Konzentration der Krankenhäuser auf die Versorgung von Covid19 Patient*innen, hätte es auch bei uns furchtbare Bilder geben können. Wir denken in diesen Tagen an die vielen Kolleg*innen in Spanien, Italien und New York, die bei der Arbeit infiziert wurden und sterben mussten. 

Seit letzter Woche gelten weitreichende Lockerungen. Geschäfte öffnen wieder, Kinder können zurück auf die Spielplätze, Angehörige können ihre Angehörige in Pflegeheimen und Krankenhäuser wieder leichter besuchen. Noch gibt es Applaus für alle, die in den „systemkritischen“ Berufen arbeiten. Doch reicht uns der Applaus? Wollen wir uns damit zufrieden geben, wenn in wenigen Wochen der Applaus Erinnerung geworden ist und dem Ruf „den Gürtel jetzt gemeinsam enger zu schnallen“ Platz macht? Lest dazu die Forderungen der Vertrauensleute an der Unimedizin Essen und von ver.di NRW. Einiges davon wurde von zwei Kolleg*innen aus dem Klinikum auf der Kundgebung am 1. Mai in die Öffentlichkeit getragen. Außerdem gibt es heute einen Blick auf die Unzufriedenheit der Kollegen im Krankentransport und eine Einladung gemeinsam in einer Videokonferenz am 19. Mai darüber zu sprechen, wie es Euch geht und was wir gemeinsam machen können an der Unimedizin Essen. Last but noch least gibt es Antworten auf Fragen zum Thema „Arbeiten in Coronazeiten“.

Solidarisch ist man nicht allein! Ver.di Vertrauensleute laden zu Zoom Konferenz am UK Essen ein!

Wir möchten gerne mit euch ins Gespräch kommen und die Möglichkeit für einen Austausch über die Situation im Uniklinikum geben. Wie sieht es in euren Bereichen aus? Was gibt es für Probleme? Wie geht es weiter? Was für Möglichkeiten haben wir im Moment, um uns für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen einzusetzen? Was machen andere Beschäftigte in den Kliniken bundesweit?

Die Situation ist nicht einfach und wir haben wieder einmal aus der Politik erfahren, dass uns niemand etwas schenken wird. Das Zoom Treffen kann ein Auftakt dafür sein,

• um unsere Rechte besser zu kennen,

• um Ideen und Kritiken zu sammeln, Lösungen zu finden und umzusetzen,

• um uns gegenseitig zu unterstützen.

Alle Interessierten sind eingeladen sich am 19.05.20 von 17.00 – 19.00 Uhr auf Zoom zu treffen.

Anwesend sein werden ver.di Vertrauensleute des Uniklinikums und unsere zuständige Gewerkschaftssekretärin Katharina Schwabedissen.

Einwahldaten direkt hier oder für die Einwahl per Telefon im Anhang:

https://bit.ly/3fu6sLC

Meeting ID: 993 1420 1301 

Password: 081091  

Danke für den Applaus I – aber was kommt danach?

Ver.di Vertrauensleute an der Unimedizin Essen sammeln Unterschriften:

Auch wenn der erwartete Massenanfall an Erkrankten zum Glück bislang noch nicht eingetreten ist, stehen wir vor Problemen, die durch diese Krise besonders hervortreten. Die Kosten tragen alle arbeitenden Menschen. Lob und Anerkennung von der Politik und Klinikleitung sind nur leere Worte, wenn es zu Ansteckungen von Personal kommt. Es gibt Druck von oben vor allem gegen die, die sich wehren. Wir wollen uns den vielen Kolleg*innen in anderen Kliniken anschließen und einen gemeinsamen Standpunkt beziehen.

Wir als Beschäftigte am Uniklinikum Essen fordern:

  • Flächendeckende Testung von allen Beschäftigten, vor allem beim Auftreten von Symptomen. Beschäftigte der Risikogruppen müssen bei vollem Lohnausgleich freigestellt werden.
  • Leitungen müssen den Druck auf die Beschäftigten beenden. Die drei Zwangsversetzungen der Station Covid 2 müssen sofort zurückgenommen werden.
  • Ausreichend Schutzmaterialien für Beschäftigte. Keine Aufweichung der Hygienerichtlinien mehr!
  • Keine 12 Stunden-Schichten und keine 60 Stunden-Woche.
  • Eine Gefahrenzulage für alle Beschäftigten des Klinikums, inklusive ausgegliederter Bereiche (z.B. GSG und Medita).
  • Reiniger*innen der GSG brauchen dauerhaft höhere Löhne und mehr Zeit, um die Stationen und anderen Bereiche des Krankenhauses zu reinigen.
  • Keine Kurzarbeit am Uniklinikum! Auch nicht für die Beschäftigten der Firma Klüh.
  • Gute praktische Ausbildung: Auszubildende nur so einsetzen, dass trotzdem Ausbildung stattfinden kann.
  • Lernzeit zu Hause gewähren, wenn die Schule geschlossen ist und entsprechende technische Voraussetzungen etablieren.
  • Keine ausbildungsferne oder gesundheitsschädliche Tätigkeiten.

Die weltweiten Erfahrungen mit Covid-19 haben uns außerdem mehr denn je darin bestätigt, wie gefährlich die ständigen Einsparungen im Gesundheitswesen sind und seine Ausrichtung auf Profit, statt auf das Wohlergehen von Patient*innen und Personal. Deshalb kämpfen wir für:

  • Mehr Personal für das Krankenhaus. Einen gesetzlich festgelegten Personalschlüssel, nicht nur für die Pflege.
  • Abschaffung des Finanzierungssystems der Fallpauschalen (DRGs) und Ersatz durch eine kostendeckende Finanzierung.
  • Sofortiger Stopp geplanter und laufender Krankenhausschließungen und Bettenabbau, Rekommunalisierung aller Krankenhäuser. Kein Profit mehr mit der Gesundheit!
  • Ausgegliederte Bereiche, wie Reinigung, Küche usw., müssen wieder in ihre Stammbetriebe mit den jeweils geltenden Tarifverträgen eingegliedert werden.

Bleibt wach und informiert, tragt diese Forderungen an Kolleg*innen weiter und zeigt uns mit eurer Unterschrift, dass ihr die Forderungen unterstützt. Es ist Kreativität gefragt.

Hier findet Ihr die Vorlage für die Unterschriftensammlung! Die ausgefüllten Listen könnt ihr im PR Büro eingeworfen oder abgegeben.

Kurzarbeit für die Einen und Überstunden für die anderen? Und: Auch „Alltagsheld*innen“ müssen essen – Arbeiten in Zeiten von Corona

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wir befinden uns in außergewöhnlichen Zeiten. Wir leben fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden und wenn wir vor die Tür gehen, dann fahren wir zur Arbeit oder gehen im Supermarkt einkaufen. Ansonsten machen wir einen großen Bogen um unsere Mitmenschen. Viele von uns haben mit organisatorischen, finanziellen und psychologischen Auswirkungen zu kämpfen. Aber viele von uns erleben auch, dass gerade Solidarität gelegt wird. Die Welt scheint still zu stehen und doch ist alles in Bewegung.

Wir brauchen einen sofortigen staatlichen Notfallplan zur Herstellung von Masken und Schutzausrüstung!

An der Unimedizin Essen gibt es derzeit ausreichend Schutzmaterial, versicherte der zuständige Personaldezernent Ralf Zimmermanns ver.di gegenüber am vergangenen Freitag. Doch überall versuchen Krankenhäuser verzweifelt Quellen für Masken und Schutzausrüstungenaufzutun. In den Alten- und Pflegeheimen ist der Mangel noch dramatischer. Und in der ambulanten Pflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung arbeiten Kolleg*innen zum Teil bereits jetzt ohne angemessene Schutzkleidung – mit allen Risiken, die dies für sie und die Patient*innen bedeutet. In Spanien und anderen Ländern ist diese fehlende Schutzkleidung mit ein Grund, warum so viele Pflegekräfte und Ärzte an Covid-19 erkranken!

Nun versucht die Bundesregierung auf dem leergefegten Weltmarkt ein paar überteuerte Masken zum tausendfachen Preis zu ersteigern. Sie behauptet, mehr könne sie nicht tun. Doch das stimmt nicht. Viele Kleinstbetriebe und soziale Einrichtungen haben mit spontanen Initiativen den richtigen Weg gewiesen. Sie haben in kleinem Rahmen Schutzkleidung hergestellt. Doch um das Gesundheitswesen mit ausreichend medizinischer Schutzkleidung zu versorgen, sind eine zentrale Planung und die Produktionskapazitäten größerer Betriebe nötig.

Das Fehlen der Schutzkleidung ist ein echter Notstand, und er wird nicht morgen vorbei sein. Die deutsche Regierung hat in wenigen Tagen ein Computerprogramm und mehrere Tausend Beschäftigten organisiert, um die Anfragen der Unternehmen nach staatlicher Unterstützung zu zentralisieren und zu bearbeiten. Aber um die Gesundheit der Beschäftigten und der Bevölkerung zu schützen, soll eine zentrale und staatliche Organisation von Teilen der Wirtschaft nicht möglich sein?

ver.di fordert bundesweit, Schutzausrüstungen zu beschlagnahmen und für eine zügige Verteilung zu sorgen. Alle gewerblichen Firmen, die dazu beitragen können, müssen jetzt verpflichtet werden, ihre Produktion umzustellen und dringend benötigte Schutzanzüge, Mundschutz und Desinfektionsmittel herzustellen, um den Schutz der Beschäftigten und der Bevölkerung/Patient*innen sicherzustellen – ob diese wollen oder nicht! In den USA hat Donald Trump ein Werk von General Motors gezwungen, Beatmungsgeräte herzustellen. Warum sollte das in Deutschland nicht möglich sein?

Welche Rechte und welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich ohne entsprechende Schutzkleidung arbeiten soll? Diese und andere Fragen beantwortet die Gewerkschaft ver.di hier: www.gesundheit-soziales.verdi.de/coronavirus/++co++c01b8006-6f3d-11ea-9a9a-001a4a160100

Auch „Heldinnen des Alltags“ müssen Miete zahlen: Reinigungskräfte am Uniklinikum Essen fordern mehr Lohn und mehr Zeit für ihre Arbeit!

Im Zuge der Corona-Krise haben sich Reinigungskräfte der Gebäudeservice GmbH mit einer Unterschriftenaktion an den Vorstand der Uniklinik gewandt: Sie fordern dauerhaft höhere Löhne und mehr Zeit, um die Stationen und anderen Bereiche des Krankenhauses zu reinigen. Auch Pflegekräfte und Ärzte haben unterschrieben.

Die Kolleginnen aus dem Reinigungsdienst schreiben: „Wir gehen bei unserer Arbeit Risiken für unsere Gesundheit ein. Wir sind wichtig für dieses Krankenhaus. Nicht nur in Zeiten von Corona – aber jetzt besonders.“

Derzeit erhalten sie für diese wichtige Arbeit einen Lohn, der so niedrig ist, dass sie ihn teilweise noch mit Hartz IV aufstocken müssen! Seit das Uniklinikum Essen die Reinigung in eine Tochterfirma ausgegliedert hat, werden sie dort nicht mehr nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt. Statt mindestens 14,25 Euro Stundenlohn erhalten sie nur 10,80 Euro (plus einer Zulage für die Arbeit auf Infektionsbereichen), und dies durchweg in unfreiwilligen Teilzeitverträgen. Unsere Kolleginnen fordern, dass sie den Tariflohn des Uniklinikums bekommen.

Außerdem erwarten sie, dass sie mehr Zeit für ihre Arbeit erhalten. Denn in den letzten zwanzig Jahren wurde die Zahl der Quadratmeter, die sie in ihrer Arbeitszeit reinigen müssen, massiv erhöht – auf Kosten ihrer Gesundheit und der Hygiene.  

Arbeitsminister Heil hat Anfang letzter Woche zu der Corona-Krise erklärt: „Wir sehen gerade unglaublich viele Heldinnen und Helden des Alltags. Diese Menschen haben nicht nur warme Worte, sondern langfristig auch bessere Löhne verdient“. Das Uniklinikum Essen als öffentliche Einrichtung hätte jetzt eine Gelegenheit, mit gutem Beispiel voranzugehen. Bisher gibt es allerdings keine Bewegung: bei einem Gespräch zwischen ver.di Vertreter*innen und Herrn Zimmermanns – der gleichzeitig Personaldezernent an der Unimedizin und Geschäftsführer der Gebäude Service GmbH ist – wurde schnell deutlich, dass es sofort lobende Worte, aber nicht sofort mehr Lohn und Zeit für die Kolleg*innen geben wird. In Düsseldorf werden die Beschäftigten der Servicegesellschaften seit einem Jahr nach dem gleichen Tarif bezahlt, wie ihre Kolleg*innen, die direkt bei der Uniklinik arbeiten. Es ist völlig unverständlich, warum das in Essen nicht möglich sein kann. Wir bleiben dran! Bitte unterstützt auch ihr die Kolleg*innen der GSG! 

Kurzarbeit statt sinnvoller Unterstützung im Uniklinikum

Weil zurzeit weniger Essen für die Patient*innen gekocht werden muss, sollen 19 Kolleg*innen der Firma Klüh – die am UK die Küche bewirtschaftet –  in Kurzarbeit geschickt werden – und zwar ohne, dass die reiche Firma Klüh ihr mageres Kurzarbeitergeld auch nur um einen Cent aufstocken will. Das ist wirklich ein Skandal!

Überall im Klinikum werden gerade helfende Hände gebraucht: Für notwendige Hygienemaßnahmen, zur Unterstützung der Transportdienste, zum Nähen von Mundschutz in der Näherei, in der Bettenaufbereitung, … Auch wenn die Klüh-Beschäftigten formal in einer anderen Firma arbeiten – sie arbeiten jeden Tag hier am Klinikum und deswegen gehören sie genauso zu uns, wie die Reinigerinnen der GSG und Medita. Bevor ein Klüh-Kollege von 60 % seines Nettoeinkommens in Kurzarbeit leben muss, rücken wir lieber alle etwas zusammen. Arbeit ist gerade jetzt genug da!

Stopp von Betten- und Klinikschließungen!

Noch immer ist unabsehbar, wie sich die stationäre Versorgung der Corona-Patienten entwickeln wird. Doch zumindest in den ersten Wochen war die Lage in den deutschen Krankenhäusern sehr viel besser als in Frankreich, Spanien oder Italien.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass bei unserem Gesundheitssystem – sowohl in der Vorsorge wie in der Krankenhausversorgung – noch nicht ganz so viel eingespart wurde wie in anderen Ländern. Die südeuropäischen Staaten haben in noch viel größerem Ausmaß Betten, Intensivbetten und Krankenhäuser geschlossen, damit jedes verbleibende Bett und jeder OP möglichst permanent belegt ist. Auch die ambulante Versorgung, die Laborkapazitäten – überhaupt alles wurde massiv gekürzt.

Heute sehen wir in unseren Nachbarländern, welche Folgen diese Sparpolitik im Gesundheitswesen hat. Und deshalb darf diese Sparpolitik nicht weitergehen. Die Pläne der Bundesregierung, zahlreiche Betten und Krankenhäuser zu schließen, müssen gestoppt werden!

Der Schutz der Risikogruppen beginnt mit besseren Bedingungen in den Pflegeheimen!

In den letzten Tagen hören wir immer wieder von Alten- und Pflegeheimen, in denen viele Bewohner*innen und Pflegekräfte an Covid-19 erkrankt sind. Einige von ihnen sterben. In den Alten- und Pflegeheimen leben fast ausschließlich Menschen, die zu den Risikogruppen gehören. Aber gerade diese Menschen sind besonders schlecht geschützt – und die Pflegekräfte ebenfalls!

Wie sollen die Pflegekräfte die Hygieneregeln einhalten, wenn sie allein für eine ganze Station zuständig sind, von Zimmer zu Zimmer rennen und sie obendrein keine Schutzausrüstung haben?

Schon vorher haben unsere Kolleginnen und Kollegen in den Pflegeheimen nur mit extremen persönlichem Einsatz halbwegs erträgliche Bedingungen für die Bewohner*innen aufrechterhalten. Diese Zustände waren schon vorher unerträglich. Und sie sind heute eine wirkliche Bedrohung für die Gesundheit der Bewohner*innen – wie die der Pflegekräfte. Was sie brauchen, sind keine warmen Worte, sondern endlich und sofort mehr Material und mehr Personal!

Passt aufeinander auf und bleibt gesund!

Krieg bringt keinen Frieden und keine Sicherheit!

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

täglich erreichen uns neue Informationen und Bilder zu dem Krieg im Norden Syriens. Die Vertrauensleute der Uniklinik Essen haben sich bei ihrer Klausur Ende letzter Woche mit dem Thema beschäftigt und dazu einen kurzen Text verfasst. Wir möchten ihn mit Euch teilen:

Wir, die ver.di-Vertrauensleute am Uniklinikum machen uns Sorgen um das Miteinander im Uniklinikum und auch außerhalb des Klinikums, vor dem Hintergrund des Angriffs der Türkei auf die kurdischen Gebiete in Nord-Syrien. Wir sind der Auffassung, dass dieser Krieg für niemanden in der Region mehr Frieden und Sicherheit bringen wird. In diesem Krieg wird wieder einmal die normale Bevölkerung die Auswirkungen des Krieges tragen müssen. Zivilisten verlieren ihre Häuser und Wohnungen und müssen fliehen. Vielleicht nach Europa, wo für sie die Grenzen verschlossen sind. Siewerden bei den Angriffen ihr Leben lassen und auch in der Türkei werden Menschen diejenigen beweinen, die vielleicht sogar gegen ihren Willen in den Krieg ziehen mussten und dabei umgekommen sind.

Die USA und die EU tragen eine bedeutende Verantwortung für den seit Jahren währenden Krieg in der Region; sie haben sehr viel zu dem Krieg und dem Leid der Menschen beigetragen. Und sollten die USA oder die EU nun Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei erlassen, werden diese ebenfalls nichts zum Frieden beitragen. Ihr Opfer würde die einfache Bevölkerung in der Türkei sein, die unter noch mehr Inflation und Arbeitslosigkeit leiden müsste.

Wenn es überhaupt einen Gewinner dieses Konfliktes geben wird, wird es sicher nicht die einfache Bevölkerung sein. Wie in jedem Krieg werden sie auf beiden Seiten die Opfer sein. Doch wie in jedem Krieg soll die normale Bevölkerung, die auf beiden Seiten oftmals ein ähnliches Leben führt, gegeneinander in Stellung gebracht werden. Als Beschäftigte des Uniklinikums schadet es uns, wenn wir uns unter Kolleginnen und Kollegen spalten. Wir sind aufeinander angewiesen – allein schon jeden Tag in unseren Arbeitsabläufen, in den Pausen, im Alltag,… – unabhängig davon, wie wir zu dem Krieg stehen.

Herzliche Grüße