Applaus – und dann? – Mitreden: Offene Videokonferenz am 19. Mai zur Frage, was kommt nach dem Applaus an der Uniklinik Essen?

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

Corona bestimmt weiterhin unser Leben. Vieles, was befürchtet wurde, ist in Folge frühzeitiger, umfassender Maßnahmen nicht eingetreten. Nun heißt es gerne: Das Gesundheitswesen in Deutschland ist so hervorragend, dass es Bilder wie aus Italien und Spanien oder New York nicht geben konnte. Gut, dass die zahllosen geplanten Schließungen von Kliniken – wie von der Bertelsmannstiftung vorgeschlagen und von Regierenden geplant – noch nicht vollzogen wurde! Wir hatten den Vorteil, auf die Erfahrungen in anderen Ländern zurückgreifen zu können und ausreichend Zeit zu haben, um eine Katastrophe zu verhindern: ohne massive Einschränkungen im Lebens- und Arbeitsalltag und ohne die Konzentration der Krankenhäuser auf die Versorgung von Covid19 Patient*innen, hätte es auch bei uns furchtbare Bilder geben können. Wir denken in diesen Tagen an die vielen Kolleg*innen in Spanien, Italien und New York, die bei der Arbeit infiziert wurden und sterben mussten. 

Seit letzter Woche gelten weitreichende Lockerungen. Geschäfte öffnen wieder, Kinder können zurück auf die Spielplätze, Angehörige können ihre Angehörige in Pflegeheimen und Krankenhäuser wieder leichter besuchen. Noch gibt es Applaus für alle, die in den „systemkritischen“ Berufen arbeiten. Doch reicht uns der Applaus? Wollen wir uns damit zufrieden geben, wenn in wenigen Wochen der Applaus Erinnerung geworden ist und dem Ruf „den Gürtel jetzt gemeinsam enger zu schnallen“ Platz macht? Lest dazu die Forderungen der Vertrauensleute an der Unimedizin Essen und von ver.di NRW. Einiges davon wurde von zwei Kolleg*innen aus dem Klinikum auf der Kundgebung am 1. Mai in die Öffentlichkeit getragen. Außerdem gibt es heute einen Blick auf die Unzufriedenheit der Kollegen im Krankentransport und eine Einladung gemeinsam in einer Videokonferenz am 19. Mai darüber zu sprechen, wie es Euch geht und was wir gemeinsam machen können an der Unimedizin Essen. Last but noch least gibt es Antworten auf Fragen zum Thema „Arbeiten in Coronazeiten“.

Solidarisch ist man nicht allein! Ver.di Vertrauensleute laden zu Zoom Konferenz am UK Essen ein!

Wir möchten gerne mit euch ins Gespräch kommen und die Möglichkeit für einen Austausch über die Situation im Uniklinikum geben. Wie sieht es in euren Bereichen aus? Was gibt es für Probleme? Wie geht es weiter? Was für Möglichkeiten haben wir im Moment, um uns für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen einzusetzen? Was machen andere Beschäftigte in den Kliniken bundesweit?

Die Situation ist nicht einfach und wir haben wieder einmal aus der Politik erfahren, dass uns niemand etwas schenken wird. Das Zoom Treffen kann ein Auftakt dafür sein,

• um unsere Rechte besser zu kennen,

• um Ideen und Kritiken zu sammeln, Lösungen zu finden und umzusetzen,

• um uns gegenseitig zu unterstützen.

Alle Interessierten sind eingeladen sich am 19.05.20 von 17.00 – 19.00 Uhr auf Zoom zu treffen.

Anwesend sein werden ver.di Vertrauensleute des Uniklinikums und unsere zuständige Gewerkschaftssekretärin Katharina Schwabedissen.

Einwahldaten direkt hier oder für die Einwahl per Telefon im Anhang:

https://bit.ly/3fu6sLC

Meeting ID: 993 1420 1301 

Password: 081091  

Danke für den Applaus I – aber was kommt danach?

Ver.di Vertrauensleute an der Unimedizin Essen sammeln Unterschriften:

Auch wenn der erwartete Massenanfall an Erkrankten zum Glück bislang noch nicht eingetreten ist, stehen wir vor Problemen, die durch diese Krise besonders hervortreten. Die Kosten tragen alle arbeitenden Menschen. Lob und Anerkennung von der Politik und Klinikleitung sind nur leere Worte, wenn es zu Ansteckungen von Personal kommt. Es gibt Druck von oben vor allem gegen die, die sich wehren. Wir wollen uns den vielen Kolleg*innen in anderen Kliniken anschließen und einen gemeinsamen Standpunkt beziehen.

Wir als Beschäftigte am Uniklinikum Essen fordern:

  • Flächendeckende Testung von allen Beschäftigten, vor allem beim Auftreten von Symptomen. Beschäftigte der Risikogruppen müssen bei vollem Lohnausgleich freigestellt werden.
  • Leitungen müssen den Druck auf die Beschäftigten beenden. Die drei Zwangsversetzungen der Station Covid 2 müssen sofort zurückgenommen werden.
  • Ausreichend Schutzmaterialien für Beschäftigte. Keine Aufweichung der Hygienerichtlinien mehr!
  • Keine 12 Stunden-Schichten und keine 60 Stunden-Woche.
  • Eine Gefahrenzulage für alle Beschäftigten des Klinikums, inklusive ausgegliederter Bereiche (z.B. GSG und Medita).
  • Reiniger*innen der GSG brauchen dauerhaft höhere Löhne und mehr Zeit, um die Stationen und anderen Bereiche des Krankenhauses zu reinigen.
  • Keine Kurzarbeit am Uniklinikum! Auch nicht für die Beschäftigten der Firma Klüh.
  • Gute praktische Ausbildung: Auszubildende nur so einsetzen, dass trotzdem Ausbildung stattfinden kann.
  • Lernzeit zu Hause gewähren, wenn die Schule geschlossen ist und entsprechende technische Voraussetzungen etablieren.
  • Keine ausbildungsferne oder gesundheitsschädliche Tätigkeiten.

Die weltweiten Erfahrungen mit Covid-19 haben uns außerdem mehr denn je darin bestätigt, wie gefährlich die ständigen Einsparungen im Gesundheitswesen sind und seine Ausrichtung auf Profit, statt auf das Wohlergehen von Patient*innen und Personal. Deshalb kämpfen wir für:

  • Mehr Personal für das Krankenhaus. Einen gesetzlich festgelegten Personalschlüssel, nicht nur für die Pflege.
  • Abschaffung des Finanzierungssystems der Fallpauschalen (DRGs) und Ersatz durch eine kostendeckende Finanzierung.
  • Sofortiger Stopp geplanter und laufender Krankenhausschließungen und Bettenabbau, Rekommunalisierung aller Krankenhäuser. Kein Profit mehr mit der Gesundheit!
  • Ausgegliederte Bereiche, wie Reinigung, Küche usw., müssen wieder in ihre Stammbetriebe mit den jeweils geltenden Tarifverträgen eingegliedert werden.

Bleibt wach und informiert, tragt diese Forderungen an Kolleg*innen weiter und zeigt uns mit eurer Unterschrift, dass ihr die Forderungen unterstützt. Es ist Kreativität gefragt.

Hier findet Ihr die Vorlage für die Unterschriftensammlung! Die ausgefüllten Listen könnt ihr im PR Büro eingeworfen oder abgegeben.