Grenzen setzen! Unsere nächsten Aktionstage

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Beschäftigte in sechs Kliniken waren in einen 48-stündigen Ausstand getreten. Eine kurze Bilanz der bundesweiten Streiktage am 10. und 11. Oktober:

Über 500 Streikende an der Uniklinik Düsseldorf! 20 Auszubildende der Uniklinik Düsseldorf haben ihre Zwischenprüfung bestreikt und erstmals beteiligten sich am 10. Oktober auch Beschäftigte eines katholischen Krankenhauses, der Marienhausklinik Ottweiler (Saarland), an dem Streik. Zuvor hatte die Klinikleitung dort erfolglos versucht, die Arbeitsniederlegung mit der Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen zu verhindern. Die Beschäftigten der Klinik stellten in einem offenen Brief klar, die Entscheidung zu streiken sei ihnen nicht leichtgefallen. „Wir waren lange genug still,“ heißt es in dem Schreiben. Bisher hätten sie „gemeckert, aber letztendlich doch weitergemacht“, damit müsse Schluss sein.

Viele solidarische Beschäftigte aus vielen Krankenhäusern sendeten Grüße an die Streikkliniken. Bilder unter:

http://gesundheit-soziales.verdi.de/themen/entlastung/++co++be8bdc60-aea4-11e7-857b-525400940f89

Die Auseinandersetzung geht aber weiter:

Stationsteams aus Krankenhäusern in ganz Deutschland verweigern demonstrativ in den nächsten Wochen die ständigen Eingriffe in ihre Zeit- und Lebensplanung.

So auch hier in Essen!

Wir veröffentlichen hier den Brief an den Kaufmännischen Direktor Herr Kaatze. Die wurde am 10.10.2017 versendet.
 

Ankündigung „Grenzen setzen“  
Sehr geehrter Herr Kaatze,
 
sichere Patientenversorgung wird in Ihrem Haus großgeschrieben.
Die Beschäftigten haben jedoch im Arbeitsalltag immer wieder festgestellt, dass aufgrund der Vielzahl der von einer/m Beschäftigten zu betreuenden Patient/innen, der Personalnot und des daraus resultierenden Zeitmangels eine gute Patientenversorgung oft nicht möglich ist und ferner ihre eigene Gesundheit darunter leidet.  Aufgrund der zu knappen Personalplanung sind die Beschäftigten insbesondere immer wieder gezwungen, über die Grenzen der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit hinaus zu arbeiten.

Die Beschäftigten wollen die daraus resultierenden Risiken für sich und die Patient/innen abstellen.

Um das Anliegen deutlich zu machen, werden die Beschäftigten am 17./18. Oktober und in der Woche vom 23.-29. Oktober dieses Jahres die Grenzen ihres Arbeitsvertrages deutlich machen und nicht mehr aus dem Frei einspringen/ auf die Einhaltung der gesetzlichen Pausen achten/ nicht in Überstunden einwilligen und nicht länger bleiben.
An der Aktion am 17./18. Oktober und in der Woche am 23.-29. Oktober beteiligen sich die folgenden Stationen und Bereiche:
AC 2, AC 5, M2B, IT 2, AC 1, F 3, F 2, A 3, A 2, WTZ Station 2 und Endoskopie.
Es ist bis spätestens Montag 16.10.2017 mit einer Nachmeldung von weiteren Bereichen und Stationen zu rechnen.

Zur Kompensation möglicher Personalausfälle und/oder unvorhersehbarer Arbeitsspitzen bitten wir um Vorhaltung von Zeitarbeitnehmern in ausreichender Anzahl oder ggf. um entsprechende Reduktion der Bettenzahl.
Ohne adäquate Maßnahmenergreifung kann es zu einem Ausfall von Tätigkeiten kommen.
Es ist auch damit zu rechnen, dass es im Zusammenhang mit nicht erledigten Arbeiten zu entsprechenden Überlastungs-und/oder Gefährdungsanzeigen und Beschwerden kommen wird.

Wir zählen auf Ihre Unterstützung, auch um gegenüber Politik und Kassen deutlich zu machen, das gute und sichere Krankenversorgung ausreichend Personal benötigt.

 

Hier noch ein Hinweis: Sollte Ihre Station/ Arbeitsbereich mitmachen wollen, so freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme.

 

Aktuelles zum Thema Entlastung

Jede Händedesinfektion ein Klick – auf den 13 Aktionsbereichen hielten die Beschäftigten am Dienstag 12.9. penibel fest, wie oft sie sich an diesem Tag 30 Sekunden lang die Hände desinfizierten.

ver.di-Aktive hatten zuvor Klickzähler verteilt und in den Teams Diskussionen darüber angestoßen, wie viel Personal nötig ist, um gut zu pflegen und alle Aufgaben ohne Hektik zu erledigen.

Noch liegen nicht alle Daten vor, aber aus den bisherigen Rückmeldungen lässt sich feststellen, dass 5256 mal der Klickzähler bedient wurde. 1 Klick steht für 30 Sekunden.

Dies bedeutet: 2628 Minuten oder 43,8 Stunden desinfizierten sich die Aktiven an diesem Tag ihre Hände. Und wie gesagt: Es fehlen noch einige Bereiche!

„Ich arbeite erst seit 3 Stunden und habe schon 35 Klicks auf der Uhr.“
„Wie soll ich den Rest noch schaffen?“
„Warum bekommen wir nicht mehr Personal?“
„Was macht unser Arbeitgeber für mehr Personal?“

Das sind nur einige wenige Rückmeldungen aus den teilnehmenden Bereichen.
Ihre aktiven Kolleginnen und Kollegen brachten das Anliegen, doch mehr Personal in Krankenhäuser zu bekommen, in die Öffentlichkeit.

Wir forderten vorher vom Klinikvorstand für die teilnehmenden Bereiche mehr Personal ein. Eine fühlbare Entlastung konnten die Aktiven nicht feststellen!
Stattdessen wurden aufgrund der Arbeitsbelastung wieder Überlastungsanzeigen geschrieben.

Wir fragen: Wie lange soll das nun so weiter gehen? Was passiert, wenn immer mehr Ihrer Kolleginnen und Kollegen nicht mehr bereit sind, sich über die Maßen einzusetzen, sondern einfach nur Dienst nach Vorschrift machen?
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Streik für einen Tarifvertrag Entlastung

Ihre Kolleginnen und Kollegen der Uniklinik Düsseldorf werden am 19.9. einen ganztägigen Warnstreik für einen „Tarifvertrag Entlastung“ durchführen. Sie fordern verbindliche Personaluntergrenzen und sichergestellte Ausbildung! Die Zustände und Personalbesetzungen in den Arbeitsbereichen und auf den Stationen sind eine Katastrophe und diese Kolleginnen und Kollegen wollen nicht länger krank werden, weil der Arbeitgeber seiner Verpflichtung nicht nachkommt, ihre Gesundheit zu schützen.

Wie recht Sie haben!!!

Bitte unterstützen Sie die Düsseldorfer mit Grüßen oder kurzen Botschaften der Solidarität. Bitte an jan.vonhagen@verdi.de senden.
Oder noch besser: Wer die Kolleg*innen an der Uniklinik unterstützen möchte, kann am Dienstag ab 7:30 Uhr bei der Kundgebung auf dem Moorenplatz in Düsseldorf dabei sein, um 9:00 Uhr startet von dort der Demozug ins Streiklokal im zakk (Fichtenstr. 40, Düsseldorf).

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Aktionstag Pause am Uk Essen

Pausen sind „Ruhepausen“, das heißt: eine echte Unterbrechung der Arbeitszeit. Ihr Zweck ist die kurze Ruhe und Erholung. Stattdessen wird im Krankenhaus oft nicht Pause gemacht, sondern auf eine Art Einspringdienst in Wartestellung umgeschaltet. Je mehr Last die Arbeit mit sich bringt, desto wichtiger ist die kurze Erholung. Fehlt die Pause, so ist das Gift für die Gesundheit, zumal für Menschen, die unter hoher Anspannung arbeiten. So entsteht eine gefährliche Überanstrengung, gefährlich auch für Patient/innen.
Am kommenden Dienstag rufen wir alle Beschäftigten am Uk-Essen auf:
Nehmen Sie Ihre Pause!
In vielen anderen Krankenhäusern werden hierzu Aktionen stattfinden! Vielleicht nutzen Sie die Gelegenheit um die Streikenden in Düsseldorf zu unterstützen: Ein „Selfie“, eine kurze Botschaft mit „Solidarische Grüße aus der Pause sendet…..“ an jan.vonhagen@verdi.de.

Aktionstag Händedesinfektion

Aktionstag am 12.9.2017: Wir machen auf ein Dilemma aufmerksam: Hände desinfizieren? Klar! Nur wann?
Wir fordern dafür Zeit und mehr Personal!

Alle wissen, dass die Händedesinfektion das A und O der Vermeidung nosokomialer Infektionen ist.
Insgesamt braucht eine Pflegkraft pro Schicht durchschnittlich 2 Stunden für die vorgeschriebene Desinfektion.
Unter den gegebenen Umständen bemüht sich Jede(r) die so wichtige Händedesinfektion durchzuführen.
Doch wer kann sich diese Zeit nehmen, ohne das andere Tätigkeiten wegfallen, oder noch mehr gerannt wird?
In über 100 Krankenhäusern bundesweit und auch hier am UK – Essen setzten Ihre Kolleginnen und Kollegen ein Zeichen:

Ausgewählte Bereiche im Uniklinikum Essen werden am 12.09.2017 ganztägig mit einem von ver.di bereitgestellten Klickzähler dokumentieren,
wie oft eine Händedesinfektion durchgeführt wird und entsprechend vorschriftsmäßig desinfizieren.
Die Beschäftigten der jeweiligen Bereiche werden dadurch feststellen, wie viele Minuten pro Dienst für die korrekte Händedesinfektion benötigt werden.
Es ist damit zu rechnen, dass nicht alle notwendigen Arbeiten (z.B.: Dokumentationen) erledigt werden können.
Ebenso könnten Vorgesetzte aufgefordert werden, doch eine Prioritätensetzung vorzunehmen oder Betten zu sperren.

Der Klinikvorstand wurde gesondert schriftlich aufgefordert die entsprechenden Bereiche zu unterstützen.
Diese Unterstützung kann aus ver.di Sicht nur aus mehr Personal bestehen.
Für diesen Tag, dauerhaft und für Alle Bereiche!

Sollten Sie im Gelände eine Kollegin oder einen Kollegen mit einer Wäscheklammer sehen, dann wissen Sie:
Ich mache mit: Ich fordere den Arbeitgeber und die Politik auf: Schafft die Rahmenbedingungen dafür, dass wir der Verantwortung die unser Beruf fordert auch gerecht werden können.
Ich und mein Team übernehmen keine Verantwortung mehr, der wir aufgrund des Personalmangels nicht mehr gerecht werden können!
Unsere Botschaft an den Arbeitgeber und an die Politik lautet: Wir brauchen genug Personal, damit die Händedesinfektion vorschriftsmäßig erfolgen kann!


Ein Video Ihrer KollegInnen und Kollegen. Sie schildern ihre Motivation zur Teilnahme und ihre Forderungen.

Unterstützen Sie bitte Ihre Kolleginnen und Kollegen.

Weitere Aktionen werden in Kürze folgen.

Bericht von Konferenz TV-Entlastung

Die Auseinandersetzung um Entlastung des Krankenhauspersonals geht in die heiße Phase. Das machten 150 Beschäftigte aus über 50 NRW-Kliniken am 29. April in Oberhausen deutlich.

Die Bewegung für mehr Personal und Entlastung in Nordrhein-Westfalens Krankenhäusern nimmt Fahrt auf. Am 29. April trafen sich rund 150 Beschäftigte aus mehr als 50 Kliniken zu einer landesweiten Auftaktveranstaltung in Oberhausen. Der Tenor: Jetzt geht es richtig los – mit Aktionen auf betrieblicher, tariflicher und politischer Ebene.

»Wir fahren auf drei Schienen«, erklärte Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand. Politisch sei es ein wichtiger Teilerfolg, dass die Bundesregierung Personaluntergrenzen in »pflegesensitiven« Bereichen einführen will (gesundheit-soziales.verdi.de/themen/mehr-personal/…). »Das haben wir durch unsere vielen großartigen Aktionen erreicht.« Es reiche aber nicht, ver.di wolle »die große Lösung« (gesundheit-soziales.verdi.de/themen/mehr-personal/…): personelle Mindestbesetzungen in allen pflegerischen Bereichen, die den individuellen Pflegebedarf der Patientinnen und Patienten berücksichtigen. Zugleich forderte sie ein Sofortprogramm, das durch die Einstellung von 20.000 zusätzlichen Pflegekräften dafür sorgt, dass niemand mehr allein auf Station arbeiten muss und genug Zeit für die praktische Anleitung der Auszubildenden bleibt.

Auch die Arbeitgeber will ver.di nicht aus der Verantwortung entlassen. In einem Teil der bundesweit rund 2.000 Krankenhäuser sollen sie zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag Entlastung aufgefordert werden – auch in mehreren NRW-Klinken. Falls sich die Arbeitgeber nicht bewegen, könnten diese Belegschaften auch zum Streik aufgerufen werden. In weiteren Krankenhäusern sollen auf betrieblicher Ebene Grenzen gesetzt werden – zum Beispiel durch die kollektive Verweigerung freiwilliger Leistungen oder ungeplanter Einsätze.