Streik am Uniklinikum – Fragen und Antworten

streik

Ich habe gehört, ver.di will am Uniklinikum streiken. Ich überlege, mich auch daran zu beteiligen. Ich bin aber unsicher, ob es Sinn macht oder ob ich das überhaupt darf.

Was ist das Streikrecht?

Das Streikrecht ist als Teil der sogenannten Koalitionsfreiheit grundgesetzlich geschützt. Voraussetzung für die Rechtmäßigkeit des Streiks ist ein Streikaufruf der Gewerkschaft. Die Teilnahme am Streik darf keine nachteiligen Folgen für den Arbeitnehmer haben; jedwede nachteilige Maßnahme des Arbeitgebers (Kündigung, Abmahnung o.ä.) ist unzulässig.

Wer darf sich beteiligen?

Jede(r) Arbeitnehmerin(er) des Uniklinikums Essen mit dem Tarifvertrag der Länder (TdL). Auch „Noch-Nicht-Mitglieder“ dürfen sich beteiligen, sie erhalten aber kein sogenanntes Streikgeld.

Beteiligen dürfen sich in ihrer Freizeit ebenfalls die Kolleginnen, die Vereinsmitglieder der DRK-Schwesternschaft sind. Nicht beteiligen dürfen sich die KollegInnen, die zum Notdienst eingeteilt sind. Beachtet hierzu den Streikaufruf!

Ich bin Auszubildende

Auszubildende dürfen am Streik teilnehmen, soweit es (auch) um ihre Ausbildungsbedingungen geht. Besorge Dir bitte die Streikfibel für Azubis.

Ich habe mich entschieden, die Arbeit niederzulegen. Muss ich den „Bitten“ meines Vorgesetzten folgen, nicht streiken zu gehen?

Beispielsweise sagt Dir Deine Vorgesetzte: „Du, wir haben heute so wenig Leute. Bleibe bitte hier und gehe nicht zum Streik.“ Im Laufe der Tage vorher hast Du lange abgewo- gen, ob Du Deine Arbeit liegen lassen möchtest, um dem Streikaufruf zu folgen. Jetzt traust Du Dich, dieser „Bitte“ zu widerstehen und gehst. Eine Woche später: Dein Chef bittet Dich zu einem Gespräch. Du darfst fragen, was er möchte und eine Kollegin oder ei- nen Kollegen als Zeugen mitnehmen. Dein Vorgesetzter darf Dich nicht wegen der Streikteilnahme unter Druck setzen! Falls dem doch so sein sollte, wende Dich an den Personalrat. Ver.di Mitglieder haben, bei richtiger Beitragszahlung, An- spruch auf Rechtsberatung und Unterstützung. Wende Dich doch in allen Fällen bitte an die Streikleitung.

Ich habe mich entschieden, die Arbeit niederzulegen. Muss ich mich in Listen eintragen oder ausstempeln?

Nein!

Ich bin leider nur befristet beschäftigt. Ich habe Angst hinterher nicht übernommen zu werden, wenn ich mich an Aktionen beteilige.

Die Angst können wir Dir erst einmal nicht ausreden. Wir können Dir nur Argumente geben, warum es sich trotzdem lohnt, sich zu beteiligen. Als eine Forderung sind „VERHANDLUNGEN ÜBER EINSCHRÄNKUNGEN BEFRISTETER ARBEITSVERHÄLTNISSE FÜHREN“ aufgenommen worden. Daher unterstützt Du mit Deiner Teilnahme genau diese Forderung.

Ich bin ver.di Mitglied und habe mich entschieden, die Arbeit niederzulegen. Ab wann und wie viel „Streikgeld“ bekomme ich dann?

Der Arbeitgeber ist berechtigt, Dir für den Tag der Arbeitsnie- derlegung das Gehalt zu kürzen. Als Ersatz erhalten alle ver.di Mitglieder das Streikgeld.

Die Höhe unterscheidet sich nach Dauer der Mitgliedschaft.

1. Ich bin erst einen Monat vor dem Streiktag Mitglied geworden.

Dann erhältst Du ca. das 2,2 fache Deines Monatsbeitrages.

2. Ich bin länger als einen Monat Mitglied in ver.di.

Dann erhältst Du ca. das 2,5 fache Deines Monatsbeitrages.

Ich habe Urlaub oder ich werde krank. Was nun?

Wer zu Beginn des Streiks krank oder in Urlaub ist, nimmt nicht am Streik teil.
Endet der Urlaub oder die Arbeitsunfähigkeit, ist eine Teil- nahme am Streik möglich (Mitteilung an Arbeitgeber erfor- derlich).

Wer während des Streiks erkrankt, meldet sich – wie sonst auch – krank und legt die ärztliche Bescheinigung vor. Damit endet für ihn der Streik, es tritt die Entgeltfortzahlungspflicht des Arbeitgebers in Kraft. Unfälle während des Streiks sind keine Arbeitsunfälle.

Was geschieht mit meiner Sozialversicherung?

Für Streiktage zahlt der Arbeitgeber keine Beiträge zur Sozialversicherung. Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung bleiben bestehen. Der mögliche Arbeitslosengeldanspruch verringert sich im Ergebnis nicht.

Wegen des geringeren Rentenbeitrags kann sich die erworbene Rentenanwartschaft minimal verringern. Monate mit mindestens einem Tag Beitragszahlung gelten als Beitrags- monate. Streiks von kürzerer Dauer haben keine nachteiligen Folgen.

Aktive Mittagspause war ein voller Erfolg

Aus aktuellem Anlass rief die ver.di Jugend Essen zu einer aktiven Mittagspause auf. Diese fand am 10. Dezember 2009 statt. Ein Tag den Teile des Vorstandes wohl so schnell nicht vergessen werden.

Unter dem Motto „Lasst uns die Wahl oder wir gehen – ohne uns steht die Pflege still“ holten Vertreter der ver.di  über 70 Auszubildende verschiedener Kurse aus der Krankenpflegeschule ab, um gemeinsam gegen die Blockade des Vorstandes zu protestieren.

AZUBI Protest gegen Zwangsmitgliedschaften im Pflegedienst

Die Blockade des Vorstandes des Uniklinikums Essen verhindert nach wie vor, dass Auszubildende nach abgeschlossener Ausbildung  wählen können, ob sie mit einem Arbeitsvertrag beim Uniklinikum oder als Mitglied in der DRK- Schwesternschaft Essen e. V. arbeiten wollen. Diese „Blockadepolitik“ gefährdet inzwischen sogar die Besetzung vieler offener Stellen am Klinikum, da die Auszubildenden angekündigt haben zu gehen, wenn ihnen keine Wahl gelassen wird.

Im Anschluss an die öffentlichkeitswirksame Aktion vor dem Haupteingang, an der sich viele Passanten beteiligten, gingen die Auszubildenden mit einer großen Unterschriftentafel und angemessener Lautstärke zum Büro der Pflegedirektorin, um ihr die Tafel zu übergeben. Unerwartet wurde den Auszubildenden dann ein Hörsaal durch den Personalchef geöffnet um eine offene Diskussion zu starten.

Diese „offene“ Diskussion wurde allerdings durch versuchte Einschüchterungen und Drohungen durch Vorstandsmitglieder überschattet und führte sehr schnell zu einem Gesichtsverlust des Vorstandes. Nachdem, für den Vorstand offensichtlich sehr unerwartet, viele Auszubildende sich zu Wort meldeten, ging das Gespräch dann doch noch in die gewollte Richtung und der Vorstand war gezwungen auf teilweise unangenehme Fragen zu antworten. Selbst die auch anwesende Oberin der DRK- Schwesternschaft Essen e. V. wusste sich nicht mehr zu helfen und versuchte ständig das Thema zu wechseln. Als dann die Argumente der Auszubildenden zu tragend wurden, brachen die Arbeitgeber die Diskussion aus „Zeitgründen“ ab und verabschiedeten sich mit inhaltlosen Worthülsen.

Nach dem Gespräch ärgerten sich viele Auszubildende über die geringe Wertschätzung und den Umgangston den die Vorstandsmitglieder ihnen gegenüber an den Tag legten und kündigten an, weiter zu kämpfen. Die übergroße Unterschriftentafel die sich nun im Büro der Pflegedirektorin befindet, dürfte ein guter Anfang sein.

Aber auch Sie können dazu beitragen. Unterstützen Sie die Auszubildenden in ihrer Forderung und setzen Sie ein Signal. Damit die Zukunft für uns alle wieder mit mehr Rechten und Sicherheiten verbunden ist.

Wann wenn nicht jetzt – ver.di Mitglied werden und unsere AZUBIs unterstützen!

Wir fordern acht Prozent, mindestens 200 Euro mehr für uns!

Am 9. Dezember 2008 hat die Bundestarifkommission die Forderungen für die Tarifrunde 2009 beschlossen.

Sitzung der Bundestarifkommission von ver.diUm acht Prozent höhere Einkommen, mindestens aber 200 Euro mehr fordert ver.di für die 790.000 Tarifbeschäftigten der Länder. Die Auszubildenden sollen 120 Euro mehr pro Monat bekommen, ihre Übernahme soll garantiert werden. Zudem sei das Tarifergebnis zeit- und inhaltsgleich auf die Beamt/innen und Versorgungsempfänger/innen der Länder und Kommunen zu übertragen. Das Übergangsrecht soll verlängert werden, um beispielsweise Ansprüche auf Zeit- und Bewährungsaufstiege zu wahren, solange noch keine neue Entgeltordnung gilt. Angestrebt wird auch eine Vereinbarung über gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit („Equal Pay“). Die Laufzeit des Tarifvertrages soll zwölf Monate betragen. Diese Forderungen hat die ver.di-Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst am 9. Dezember 2008 in Berlin einstimmig beschlossen.